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Industrialisierung

14.04.2010 @ 17:45, Euku,

Redundanztext|Solphusion 00:30, 7. Nov. 2009 (CET)|November 2009|Industriegeschichte|Industrialisierung|Industriezeitalter|Industrielle Revolution

miniatur|Neue Fabrikanlagen entstehen (Zeichnung um 1860)
Industrialisierung bezeichnet

Die Industrialisierung begann zunächst in England während der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Später verbreitete sie sich schrittweise in andere Länder Europas und Nordamerikas, seit Mitte des 20. Jahrhunderts zunehmend auch in Asien und Lateinamerika.

Die Phase des eigentlichen Durchbruchs der industriellen Entwicklung wird als Industrielle Revolution bezeichnet.

Folgt man der Sektoreneinteilung von Jean Fourastié (siehe Drei-Sektoren-Hypothese, Wirtschaftssektor) - "Primärer Sektor" der Rohstoffgewinnung (Ackerbau, Viehzucht, Förderung von Bodenschätzen), "Sekundärer Sektor" der Verarbeitung, "Tertiärer Sektor" der Dienstleistungen, auch schon: "Quartärer Sektor" der Freizeitwirtschaft, "Quintärer Sektor" der Abfallwirtschaft - so sind in allen Sektoren Industrialisierungsprozesse aufgetreten, historisch ausgehend vom Sekundären Sektor.

Der Gegensatz zur „Industrialisierung“ wird als „Deindustrialisierung“ („De-Industrialisierung“) bezeichnet.

England als Mutterland der Industrialisierung

Hier waren der Absolutismus und die Grundherrschaft früher als in anderen Ländern Europas gelockert, Zunftzwang gab es im Gegensatz zu deutschen Ländern schon lange nicht mehr. Somit waren die Voraussetzungen für die freiere Ausbreitung des Handels, der Kapitalbildung und der technischen Erneuerung gelegt. Meilensteine waren die Erfindung der Dampfmaschine (Erfindung 1712 durch Thomas Newcomen, entscheidende Weiterentwicklung 1769 durch James Watt) sowie von Spinnmaschinen (Spinning Jenny), mechanischem Webstuhl und des Puddelverfahrens bei der Eisengewinnung. Bedeutsam war auch die Erfindung der Dampflokomotive und der ersten öffentlichen Eisenbahnen.

Begünstigende Faktoren


  • Kapitalbildung
  • Infrastruktur: In England wurden wesentlich früher als in anderen Staaten die Bedeutung der Nutzung von Wasserwegen (Kanalbau) und der Eisenbahn erkannt. Infolge dessen, und aufgrund der Insellage von England, hatte dieses früher als jedes andere Land ein gut ausgebautes Kanalnetz.
  • Ausreichende Rohstoffvorkommen, vor allem Erz, Kohle und Baumwolle aus den Kolonien. Hinzu kam die günstige Lage von Rohstoffvorkommen im Inland, die räumlich nah genug waren, um sie effektiver nutzen zu können.
  • Ausreichendes Angebot an Arbeitskräften. Der Wandel in der Landwirtschaft entzog zahlreichen Kleinbauern die Lebensgrundlage, die daraufhin in die sich entwickelnden Industriezentren zogen.
  • Absatzmärkte durch wachsende Nachfrage nach Textilien (Bekleidung)
  • Unterdrückung von wirtschaftlicher Konkurrenz in seiner Position als Welt- und Kolonialmacht, wie beispielsweise der indischen Baumwollindustrie.
  • Große Seemachts- und Handelsflotte, die zur Verschiffung von Gütern und Rohstoffen und deren Schutz genutzt wurde.
  • Im Vergleich zu anderen Staaten große Macht des Bürgertums (durch das Parlament) in Relation zu der des Monarchen.
  • Leistungsstarke Landwirtschaft zur Versorgung der schnell wachsenden Bevölkerung und als Kapitalbasis

Deindustrialisierung

Das produzierende Gewerbe verliert volkswirtschaftlich an Bedeutung. Ursache hierfür sind die strukturelle Verschiebungen zwischen Industriesektor und Dienstleistungssektor (Tertiarisierung). Diese können ihrerseits auf eine geänderte Strategie der Unternehmen zurückgeführt werden, welche eine Verschiebung der Arbeitsteilung bewirken: Rückbesinnung auf Kernkompetenzen, Outsourcing, Reorganisation von Großunternehmen durch „Downsizing“. Diese Prozesse haben zum Ergebnis, dass aus Großunternehmen kleine dezentrale Einheiten gebildet werden und viele bislang unternehmensinterne Dienstleistungen von externen, eigenständigen Dienstleistungsunternehmen geliefert werden. Veränderte wirtschaftliche Rahmenbedingungen, wie etwa die Entwicklung der Informations- und Kommunikationstechnologie, ermöglichen solche Veränderungen. Dieselben reagieren damit auch auf veränderte Nachfragepräferenz (etwa hin zu mehr produktbezogener Beratung und Wartung), Beschleunigung der Produkteinführung (Time-to-Market). Daneben mag sich auch eine positivere Einstellung gegenüber Kooperationen herausgebildet haben.Markus Kowalik (Inmit – Institut für Mittelstandsökonomie, Universität Trier): Industriekompass Rheinland-Pfalz 2004. Mainz 2004, 3. erw. und aktualisierte Auflage 2004. S. 21 f.

Ehemalige Industrieanlagen und Gebäude werden oft als Industriedenkmäler erhalten, zum Beispiel Völklinger Hütte oder die Hochöfen auf Esch Belval.


| in Duisburg
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Heutige Bedeutung


Die Industrialisierung wird heutzutage auch als Sinnbild für die Standardisierung/Automatisierung von Verfahren/Prozessen verwendet. Man möchte damit den Wechsel von einer individuellen handwerklichen Tätigkeit hin zu einer standardisierten industrialisierten Tätigkeit kennzeichnen. Als Beispiel sei hier die Softwareentwicklung genannt: Bei der Programmierung wird kein Gegenstand im herkömmlichen Sinne hergestellt. Die Herstellung des Produktes Software kann in vielen Firmen als handwerkliche Tätigkeit aufgefasst werden, da sie jedes Mal anders und individuell vorgenommen wird. Ziel der Industrialisierung ist es, gemeinsame Herstellungselemente zu standardisieren, so dass sie effektiver, produktiver und gleichförmig eingesetzt werden können. Nur wenn die einzelnen Phasen charakterisiert sind, können zum Beispiel Teile als Offshoring-Tätigkeit abgegeben werden. Auch sieht man in der Industrialisierung häufig ein Umweltproblem.

Begleiterscheinungen der Industrialisierung


Als der Industrialisierung folgende Auswirkungen kann man nennen die Urbanisierung, der Wechsel von Selbstversorgungs- (Subsistenzwirtschaft) zur Fremdversorgungsgesellschaft, Geburtenrückgang, Prosperität, aber auch zunehmende Umweltverschmutzung.

Literatur


  • Florin Condrau: Die Industrialisierung in Deutschland. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2005.
  • Clark Kerr / John T. Dunlop / Frederick Harbison / Charles A. Myers: Der Mensch in der industriellen Gesellschaft (Industrialism and Industrial Man). Europäische Verlagsanstalt, Frankfurt am Main 1960.
  • Klaus Tenfelde: Industrialisierung. In: Richard van Dülmen (Hrsg.): Das Fischer Lexikon Geschichte. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2003, S. 222-237.

Einzelnachweise


Siehe auch

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